Pressemitteilung DEHOGA Saarland - Landesverbandstag 2025
Zwischen Kostendruck und neuer Zuversicht
DEHOGA Saarland diskutiert beim Landesverbandstag zentrale Branchenthemen
Saarbrücken. Am 28. August 2025 fand der turnusmäßige Landesverbandstag des Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA Saarland e. V. in der „The Loft Eventlocation“ in Saarbrücken statt. Anders als in Wahljahren stand dieses Mal kein Urnengang an. Der Tag gehörte ganz den Inhalten, den Analysen und dem Austausch über aktuelle Entwicklungen. Dieser Termin bietet für die Mitglieder des Verbandes ausgiebig Raum für Rückblicke und Ausblicke, für klare Worte und kritische Zahlen. Die Branche bleibt ein Seismograf für die Lage im Land. Zwischen Fachkräftesuche, Kostenwellen und Konsumlaune lotet sie täglich aus, was möglich ist. Der Landesverbandstag bündelt diese Perspektiven. Er liefert Einordnung, Austausch und Kurs.
Steuerfrage mit Sprengkraft
Besonders im Fokus stand ein Thema, das die Gastgeber seit Monaten in Atem hält: die geplante Rückkehr zum ermäßigten Mehrwertsteuersatz. Ab Januar 2026 soll in der Gastronomie für Speisen wieder der Steuersatz von sieben Prozent gelten. Auf den ersten Blick klingt das wie ein warmer Rückenwind für die Gäste. Günstiger essen, entspannter zahlen. In der Praxis wird daraus jedoch kein Automatismus. „Die Senkung ist kein Rabattgutschein, sondern ein Konjunkturprogramm für die Branche“, weiß Michael Buchna, Hotelier, Gastronom und Präsident des DEHOGA Saarland. Viele Häuser liegen deutlich unter Vorkrisenniveau. Nominal rund 20 Prozent, real 12,4 Prozent. Der Vorkrisenstand ist noch lange nicht erreicht. Die Zahlen dahinter sind drastisch: Im ersten Halbjahr 2025 lag der reale Umsatz der speisengeprägten Gastronomie 16,2 Prozent unter dem Vor-Corona-Jahr 2019. Im gesamten Gaststättengewerbe waren es 18 Prozent. Gegenüber 2024 gab es real ein erneutes Minus von 4,4 Prozent. Das ist kein Randthema, das ist Kern – hier geht es um die schiere Existenzsicherung. Denn gleichzeitig steigen die Kosten immer weiter: Bei den Löhnen ein Plus von 34,4 Prozent seit 2022. Die Lebensmittelpreise sind seither um 26,9 Prozent in die Höhe geschnellt. Der Mindestlohn wird 2026 um 8,4 Prozent zulegen. In vielen Betrieben betragen die Personalkosten bereits jetzt über 40 Prozent vom Umsatz. Dazu kommen Energie, Versicherungen, Gebühren … Dies zeigt: Preissenkungen sind keine Frage des Wollens, sondern des Könnens. „Soweit Spielräume zum Jahreswechsel vorhanden sind, werden diese sicherlich für Investitionen genutzt. Die Mehrwertsteuersenkung schafft Luft für genau diese Schritte. Sie schließt Lücken, sie stabilisiert Konzepte, sie sichert Arbeitsplätze“, erklärt Buchna.
Preise lassen sich nicht verordnen
Mit Kopfschütteln reagiert der DEHOGA-Präsident auf gewisse Erwartungen aus Berlin, die Steuersenkung solle automatisch zu sinkenden Preisen führen. „Die Wirklichkeit ist komplexer. Das ist unredlich, denn hier werden falsche Hoffnungen geschürt. Preise entstehen aus Kosten, Kalkulation und Investitionen. Der Markt sortiert, nicht das Mikrofon“, unterstreicht Buchna. Ein Blick zurück belegt das: Als der Steuersatz zum 1. Januar 2024 auf 19 Prozent stieg, erhöhte sich das Preisniveau in diesem Monat im Schnitt um 6,6 Prozent. Von einer Eins-zu-eins-Weitergabe konnte keine Rede sein. Viele Gastronomen haben die Erhöhung abgefedert, um Stammkunden nicht zu verlieren. Und der DEHOGA-Chef ergänzt dazu: „Mein Großvater sagte immer: ‚Wir verlangen die Preise, die wir benötigen, um zu überleben.‘ Heute gilt dasselbe: Wir müssen kalkulieren, damit der Betrieb wirtschaftlich läuft.“ Doch was bedeutet das für 2026? Buchna geht davon aus, dass auch die Rückkehr zum ermäßigten Steuersatz nicht von heute auf morgen passiert, sondern ein schleichender Prozess sein wird. Schon bei der Erhöhung Anfang 2024 war zu beobachten, dass die Betriebe unterschiedlich reagierten: Einige passten ihre Preise sofort an, andere Schritt für Schritt – manche verzichteten ganz oder glichen nur einen Teil der Mehrbelastung aus. Auch dieses Mal wird es kein einheitliches Vorgehen geben, sondern individuelle Entscheidungen, die sich an Kosten, Konzept und Kalkulation orientieren. Für die Mehrheit sind die sieben Prozent ein Hoffnungsschimmer: „Sie schaffen Spielraum für Investitionen und helfen, Auslagen zu decken. Aber klar ist: Die Senkung alleine rettet niemanden“, sagt Buchna. Allerdings: Der Blick kann sich vom ständigen Löschen der Brandherde wieder auf das richten, was ein Restaurant ausmacht: Atmosphäre, Handwerk, Gastfreundschaft. Die Rückkehr zum ermäßigten Steuersatz ist ein Instrument, um das Fundament der Betriebe zu stabilisieren, Vielfalt zu sichern und Innenstädte lebendig zu halten. Die Gastgeber benötigen diese Entlastung, um ihre Häuser wieder auf Kurs zu bringen. Um wieder Tritt zu fassen. Und um ihren Auftrag besser zu erfüllen. Genau dafür lohnt sich dieser Schalter.
Rekorde ohne Rendite
Im Saarland sind die Tourismuszahlen glänzend. Noch nie zuvor gab es im ersten Halbjahr so viele Gäste und Übernachtungen wie 2025. Doch ein genauer Blick in die veröffentlichten Mai-Zahlen verrät: Die großen Zuwächse stammen vorwiegend aus Ferienwohnungen und Campingplätzen – nicht aus der klassischen Hotellerie. Und der Schein dieses neuen Tourismusrekordes verblasst auch hinter den Kulissen. Während die Statistik jubelt, spüren die Gastgeber die Schattenseiten. Denn viele Hotels kämpfen trotzdem mit schrumpfenden Erträgen. Besonders deutlich zeigt sich das in Saarbrücken. Dort ist die Bettenkapazität in den vergangenen Jahren um rund 1.600 gestiegen. Ein Zuwachs, dem nur ein Übernachtungsplus von vier Prozent gegenübersteht. Die Folge: sinkende Zimmerpreise, steigender Konkurrenzdruck – und ein Preiskampf, der bei den Betrieben tiefe Spuren hinterlässt. Der IHA Performance Barometer bestätigt das Bild: Für 2024 liegt Saarbrücken bei der Belegungsrate unter dem Bundesdurchschnitt und zählt bei den Durchschnittswerten zu den schwächsten Standorten im Vergleich der deutschen Städte. Die Lage wird zusätzlich erschwert durch die schwächelnde saarländische Wirtschaft. „Mehr Gäste bedeuten nicht automatisch mehr Gewinn. Die Belegungsrate stagniert, die Kosten laufen davon“, sagt Irakli Gogadze, Vizepräsident des DEHOGA Saarland und Regionaldirektor der Victor’s Hotels. Und auch die IHK-Saisonumfrage vom August 2025 bestätigt: Der Kostendruck in der Branche ist massiv.
Wenn das Wohnzimmer zum Hotel wird
Hinzu kommt ein Wettbewerbsfaktor, der die Situation verschärft: der boomende Markt privater Unterkünfte. Rund 800 Betten werden in Saarbrücken über Airbnb sowie andere Plattformen angeboten – ohne die Auflagen, die Hotels erfüllen müssen. Für Gäste bedeutet das günstige Preise und viel Auswahl. Für die Branche ist es ein unfairer Wettbewerb. Der DEHOGA fordert deshalb klare Regeln: gleiche Bedingungen für alle Anbieter, Erfassung aller privaten Vermieter und eine stärkere Regulierung von Online-Plattformen. Nur so lasse sich der graue Markt eindämmen. Denn die Diskrepanz wächst: Rekordzahlen in der Statistik, aber knappe Kassen in den Betrieben. Der lange versprochene Aufbau eines Convention-Büros in Saarbrücken kommt zwar endlich – doch Jahre zu spät. Für viele Häuser beginnt nun eine Durststrecke. Damit aus dem touristischen Aufschwung kein Strohfeuer wird, braucht es jetzt kluge Weichenstellungen. Die Politik muss dafür sorgen, dass aus großen Zahlen auch tragfähige Erträge werden.
Gastgeber als Teil der Transformation verstehen
Gleichzeitig rückt eine größere Frage in den Fokus: Welche Rolle spielt der Tourismus im Strukturwandel des Saarlandes? Angesichts der wirtschaftlichen Umbrüche – Stichwort Stellenabbau bei ZF oder Ford – wird das Dienstleistungsgewerbe immer wichtiger. Das Gastgewerbe ist ein zentraler Teil dieser Auffangbranche. Doch bislang werden Gastronomie und Tourismus politisch nicht als Transformationsmotor verstanden, sondern eher als Randthemen behandelt. „Dabei ist unsere Branche nicht nur ein großer Arbeitgeber, sondern auch ein wichtiger Investor in die Zukunft des Landes“, betont der DEHOGA-Präsident und verweist auf die Zahlen: „Mit 1,1 Millionen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten sind wir einer der größten Arbeitgeber Deutschlands. Dabei kommen 41 Prozent der Mitarbeiter aus dem Ausland.“
Nachwuchs im Aufwind
Die Ausbildung im Gastgewerbe gewinnt wieder an Zugkraft. In Gastronomie, Hotellerie und Tourismus steigen seit gut anderthalb Jahren die Bewerbungen – und zwar in Zahl und Qualität. „Wir erhalten so viele aussagekräftige Unterlagen wie seit Jahren nicht. Man spürt echtes Interesse an unseren Berufen“, berichtet Irakli Gogadze aus seinem Unternehmen. Das bestätigen auch aktuelle Auswertungen der IHK: So ist die Gesamtzahl der Auszubildenden in den gastronomischen Berufen von 2022 bis 2024 um rund 25 Prozent gestiegen – ein bemerkenswerter Zuwachs. Im August 2025 waren bereits 393 Ausbildungsverhältnisse registriert, weit mehr als im gesamten Jahr 2022. Der Aufwärtstrend hält also weiter an. Einen wichtigen Beitrag hierzu leistete sicher die Recruiting-Offensive „Du machst den Moment“. Sie hebt die attraktiven Seiten eines Wirtschaftszweigs hervor, der vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten bietet – von der Küche über den Service bis zu Eventmanagement und Hotelleitung. 2025 wurde die Offensive um drei Jahre verlängert. Das schafft Sichtbarkeit und Vertrauen. Es hilft Betrieben, Talente zu gewinnen und im Land zu halten.