Pressemitteilung DEHOGA Saarland - Neue Mitmach-Plattform „minijobs-erhalten.de“ gestartet
Faktische Abschaffung der Minijobs verhindern – Sieben Millionen Menschen betroffen
Berlin/Saarbrücken. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA Bundesverband) erhöht mit seiner bundesweiten Kampagne „Minijobs erhalten!“ den Druck auf die Politik. Mit „minijobs-erhalten.de“ ist nun die zentrale Mitmach-Plattform gestartet. Sie zeigt anschaulich und in aller Deutlichkeit, welche politischen Änderungen geplant oder bereits beschlossen sind – und was sie in ihrer Summe für Betriebe und Beschäftigte bedeuten. Fast sieben Millionen Menschen arbeiten in einem Minijob. Für knapp 95 Prozent ist er ein Hinzuverdienst oder eine zusätzliche Beschäftigung. Man verdient sich neben Hauptberuf, Studium oder Rente etwas hinzu oder wählt eine Tätigkeit, die zu der jeweiligen Lebenssituation passt. Nach Daten der Minijob-Zentrale kommt lediglich für 5,3 Prozent ein Wechsel in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis infrage. Gerade im Gastgewerbe spielen Minijobs eine wichtige Rolle, um Dienste am Abend, an Wochenenden oder bei Veranstaltungen abzudecken.
Mehrere Änderungen. Eine Gesamtwirkung.
„Wer sich zum Minijob bekennt, muss ihn auch bezahlbar halten“, erklärt DEHOGA-Präsident Guido Zöllick. „Die diskutierten und teilweise bereits beschlossenen Verteuerungen führen in ihrer Summe zu einer faktischen Abschaffung der Minijobs. Das dürfen wir nicht zulassen.“Nach Berechnungen des DEHOGA würden die Arbeitgeberabgaben für gewerbliche Minijobs von derzeit 31,17 auf 42,27 Prozent des Lohns steigen.Für die Arbeitgeber im Gastgewerbe bedeute dies Mehrkosten von voraussichtlich fast 72 Millionen Euro pro Jahr. „Gerade jetzt müssen wir Anreize für diejenigen setzen, die zusätzlich arbeiten wollen. Leistung muss sich lohnen“, betont Zöllick.Welche Folgen die verschiedenen Änderungen in Summe haben, will „minijobs-erhalten.de“ sichtbar machen. Die Plattform bündelt politische Vorhaben, Fakten und Forderungen. Hier findet man einen Minijob-Check genauso wie Originaldokumente und Belege. Zugleich kommen dort Menschen zu Wort, die unmittelbar betroffen sind. Minijobber und Unternehmer aus dem Saarland, die ihre Erfahrungen schildern und der Debatte ein authentisches Gesicht geben möchten, dürfen sich gerne an den DEHOGA Saarland wenden.
Der Branchenverband fordert die Politik auf, weitere Belastungen für Minijobs zu stoppen. Pflegeversicherungsbeiträge sollen nicht eingeführt, die Pauschalsteuer bei zwei Prozent belassen und höhere Krankenversicherungsbeiträge ausgesetzt werden. Auch die Wahlfreiheit bei der Rentenversicherung und die bestehende Besteuerung müssen erhalten bleiben. Bevor weitere Entscheidungen getroffen werden, fordert der DEHOGA vor allem eines: eine transparente Gesamtrechnung.
Im Saarland würde jede zweite Kraft fehlen
Wie stark das Gastgewerbe auf Minijobs angewiesen ist, zeigt ein Blick auf die Zahlen. Bundesweit arbeiten rund 1,1 Millionen Menschen in der Branche auf Minijob-Basis, an der Saar sind es etwa 13.000. Dahinter steckt eine bemerkenswerte Größenordnung: Etwa jede
zweite Kraft ist hier geringfügig beschäftigt. Fielen Minijobs weg, würde den saarländischen Gastgebern rechnerisch die Hälfte seines Personals fehlen. Doch nicht nur eine Abschaffung steht im Raum. Inzwischen werden auch Modelle diskutiert, bei denen der Minijob zwar erhalten bliebe, für Betriebe jedoch erheblich teurer und für die Erwerbstätigen finanziell unattraktiv würde. Änderungen bei Abgaben und Pauschalsteuer würden die Arbeitgeberkosten um rund 36 Prozent erhöhen. Gleichzeitig stehen für Beschäftigte die bisherigen steuerlichen und sozialversicherungsrechtlichen Vorteile zur Disposition. Minijobs würden dann wie reguläre Arbeitsverhältnisse versteuert – bei vielen Betroffenen wohl nach Steuerklasse VI. Damit könnten mehrere Veränderungen zusammengenommen das Modell in seiner heutigen Form praktisch aushebeln. Der DEHOGA spricht deshalb von einer faktischen Abschaffung und kritisiert, dass bislang vor allem die einzelnen Vorhaben betrachtet werden, nicht aber deren Wirkung in der Summe.
„Ob man den Minijob abschafft oder ihn für Betriebe und Beschäftigte immer unattraktiver macht – am Ende reißt man eine gewaltige Lücke in das saarländische Gastgewerbe. Diese Arbeitsplätze aufs Spiel zu setzen, wäre ein schwerer Schlag für unsere Betriebe und für Tausende Menschen,die sich etwas hinzuverdienen wollen. Wir brauchen mehr Anreize für Arbeit, nicht weniger. Wer zusätzlich tätig sein möchte, sollte darin bestärkt und nicht ausgebremst werden“, sagt Michael Buchna, der Präsident des DEHOGA Saarland.
Warum diese Beschäftigungsform gerade in Restaurants und Hotels eine so große Rolle spielt,wird im Arbeitsalltag schnell deutlich. Das Geschäft hält sich selten an einen festen Stundenplan. Kaum zeigt sich die Sonne, füllt sich die Terrasse. Eine Feier dauert länger als gedacht, im Hotel beginnt der Frühstücksservice, während andernorts die Rollläden gerade erst hochgehen. Was eben noch ein ruhiger Dienstag war, kann eine Stunde später ganz anders aussehen. Besonders kleinere und mittlere Häuser brauchen deshalb Spielraum beim Personaleinsatz. Minijobber schaffen diese Flexibilität, sichern Abläufe und entlasten die Stammbelegschaften. Doch der Minijob funktioniert in beide Richtungen. Er verschafft den Arbeitgebern die nötige Beweglichkeit und passt zugleich zur Lebenswirklichkeit vieler Beschäftigter. Studierende verdienen sich neben dem Studium etwas hinzu, Rentner bleiben für einige Stunden im Berufsleben, andere verbinden den Nebenverdienst mit Hauptberuf oder Familie. Was sie verbindet: Die Tätigkeit lässt sich in einen Alltag einbauen, in dem für eine klassische Teilzeitstelle häufig weder Platz noch Bedarf besteht.