Pressemitteilung DEHOGA Saarland - Sieger und Siegerinnen gekürt
Wenn Besteck klackert und Nerven flattern:
Gastro-Nachwuchs kämpft um die Titel
Meisterschaften krönen die besten Azubis der gastgewerblichen Ausbildungsberufe
Spiesen-Elversberg. Im „Vevio Hotel & Events“ liegt der Duft von Röstaromen in der Luft, konzentrierte Blicke wandern über die Teller. Wo sonst Tagungen und Feiern stattfinden, ging es nun um Präzision, Nervenstärke und Leidenschaft. Die Saarländischen Jugendmeisterschaften der gastgewerblichen Berufe am 8. Februar 2026 waren kein Schaulaufen, sondern ein Härtetest für die Auszubildenden.Insgesamt 22 Finalisten stellten sich den Herausforderungen dieser Meisterschaft, ausgerichtet vom DEHOGA Saarland e.V. mit Unterstützung des Technisch-gewerbliches Berufsbildungszentrum 2 und der Michael Freiberger Stiftung. Unterteilt nach den jeweiligen Aufgabenfeldern musste der Nachwuchs sein Können unter Beweis stellen. Am Ende setzten sich Lukas Duttlinger bei den Köchen, Luca Kleinbauer bei den Fachleuten für Restaurant und Veranstaltung sowie Maya Sonnenrein bei den Hotelfachleuten durch.
Küche: Das Rezept für den Sieg
Für die Köche begann der Tag dort, wo Leidenschaft messbar wird: am Herd. Ein einheitlicher Warenkorb setzte den Rahmen. Vorgegeben waren neben vertrauten Produkten auch Zutaten, die selbst im professionellen Küchenalltag nicht selbstverständlich sind. Flower Sprouts gehörten ebenso dazu wie Langostino-Karkassen. „Der Warenkorb wurde bewusst so zusammengestellt, dass er Kreativität ermöglicht, aber auch klare Grenzen setzt“, sagte Christian Sersch, Vorsitzender des Fachausschusses Aus- und Weiterbildung im DEHOGA und Geschäftsführer der Seezeitlodge Hotel & Spa in Nohfelden-Gonnesweiler. Innerhalb mehrerer Stunden entwickelten die Teilnehmer daraus ein dreigängiges Menü. Jeder Handgriff und jeder Arbeitsschritt wurde dabei von den wachsamen Augen der Fachjury verfolgt – vom Mise en Place bis zum letzten Tupfer Sauce. Dazu gab es eine Überraschungsaufgabe: Der vierte Menügang wurde kurzerhand durch einen Taste-Löffel ersetzt. Unangekündigt wurde ein weiterer Warenkorb in die Küche geschoben und dann lief die Uhr: Zehn Minuten Zeit, um aus dem vorhandenen Material eine Idee zu entwickeln und den Löffel überzeugend umzusetzen. Spontanität, Entscheidungsfreude und ein sicherer Instinkt waren gefragt. Saarlands bester Jungkoch wurde am Ende Lukas Duttlinger vom Hämmerles Restaurant in Blieskastel. „Ich kann es noch nicht ganz glauben. Als ich aufgerufen wurde, war das so: Oh, wow! Ich denke, ich muss jetzt einfach eine Nacht drüber schlafen. Ich wusste, dass ich ein gutes Menü abliefern würde. Allerdings nicht, dass es für Platz eins reicht. Damit habe ich nicht gerechnet. Ich bin aber deswegen umso glücklicher“, sagte der 20-Jährige aus Saarbrücken. Rang zwei ging an Maximilian Brausch von der Seezeitlodge Hotel & Spa, gefolgt von Hellon Latimer Andriamiharivola vom Victor‘s Seehotel Weingärtner in Nohfelden.
Restaurantfachleute: Vom ersten Gruß bis zum letzten Glas
Höhepunkt des Tages war das festliche Galadinner. Rund 70 Gäste nahmen Platz, während Küche und Service dann Hand in Hand arbeiteten. Die Gerichte wurden wie in einem Spitzenrestaurant serviert – begleitet von passenden Weinempfehlungen, charmanten Erläuterungen und souveräner Präsenz. Verantwortlich dafür waren die Azubis für Restaurant und Veranstaltung. Es zählte jedes Detail: Haltung, Sprache, Timing. Teller kamen punktgenau, Gläser blieben nie leer, Fragen wurden fachkundig beantwortet. Bewertet wurden nicht nur Technik und Fachwissen, sondern auch Auftreten, Kommunikation und das Gespür für den Moment. Ergänzt wurde das Galadinner durch weitere anspruchsvolle Prüfungsstationen. Eine Barkarte musste konzipiert und die Cocktails auch gemixt werden. Ein fachlicher Lückentext verlangte präzises Wissen unter Zeitdruck. Das Filetieren eines Fisches gehörte ebenso zum Programm wie die Warenerkennung. Am Ende überzeugte Luca Kleinbauer vom La Maison Hotel in Saarlouis mit einem stimmigen Gesamtauftritt. Vianne Kremer von der Seezeitlodge Hotel & Spa sowie Lucy Merten vom Victor‘s Seehotel Weingärtner folgten auf den weiteren Plätzen. „Ich habe mich gut vorbereitet. Dass ich nun gewonnen habe, ist eine Bestätigung für mein Talent und für meine Leidenschaft. Aber es war schon anstrengend. Körperlich, kognitiv – man hat alles reißen müssen“, sagte die 25-jährige Kleinbauer, die erst im zweiten Lehrjahr ist. Und die Saarbrückerin weiter: „Jetzt wird für die Deutschen Meisterschaften trainiert. Ich bin sehr ehrgeizig und wir haben ein gutes Team. Wir sind alle hochmotiviert.“
Hotelfach: Zwischen Gästegespräch und Konzeptarbeit
Der Tag begann früh – lange bevor das erste Menü serviert oder der erste Gast begrüßt wurde. In den Fluren des „Vevio Hotel & Events“ herrschte geschäftiges Treiben. Für die Hotelfachleute standen komplexe Aufgabenstellungen aus dem betrieblichen Alltag im Mittelpunkt. So verlangte eine Nachhaltigkeitsaufgabe, ökologische Verantwortung mit wirtschaftlicher Vernunft zu verbinden. Besonders nah an der Praxis bewegten sich die Simulationen. In einem Personalgespräch musste eine Urlaubsanfrage für die Hochsaison abgelehnt werden – sachlich, nachvollziehbar und ohne das Gegenüber vor den Kopf zu stoßen. Ein weiteres Szenario führte ans Telefon: Ein emotionales Storno-Gespräch nach einem Todesfall im familiären Umfeld. Dennoch galt es, die vereinbarten Bedingungen zu vertreten und nach Lösungen zu suchen. Empathie und Klarheit mussten hier Hand in Hand gehen. Doch nicht nur Worte zählten. Auch handwerkliche Fähigkeiten waren Teil der Prüfung: Hemden wurden gebügelt, Handtücher fachgerecht gefaltet – scheinbar einfache Tätigkeiten, die im Hotelalltag aber über Qualität und Eindruck entscheiden. Den Wettbewerb entschied Maya Sonnenrein vom Victor‘s Residenz-Hotel in Saarbrücken für sich. „Ich bin selbst überrascht. Es ist einfach sehr überwältigend. Ich hätte sogar Geld drauf gewettet, dass es heute nichts wird. Aber ich kann anscheinend mehr, als ich gedacht habe“, lachte die 22-Jährige aus Habkirchen. Auf Rang zwei folgteSvenja Eisenhauer von der Seezeitlodge Hotel & Spa, die mit einer geschlossenen Leistung überzeugte. Mit einer Bronze-Medaille belohnet sich Mailin Leinweber vom Victor‘s Residenz-Hotel Schloss Berg in Perl, die schon im Vorjahr in ihrem zweiten Lehrjahr bei den Meisterschaften dabei war.
Wenn Leidenschaft für Gastfreundschaft sichtbar wird
Als am Abend die Sieger geehrt wurden, lag spürbarer Stolz im Raum. Unter den Augen von Elena Yorgova-Ramanauskas, Staatssekretärin im saarländischen Wirtschaftsministerium, wurde der Moment feierlich begangen. Applaus, erleichterte Gesichter und Emotionen begleiteten die Verkündung der Platzierungen. „Diese Meisterschaft beweist, wie viel Leidenschaft und Qualität im Nachwuchs steckt. Wer solche Leistungen sieht, weiß, dass die Branche eine starke Zukunft hat“, erläuterte Michael Buchna, der Präsident des DEHOGA Saarland. Zufrieden zeigte sich auch Christian Sersch. Das Niveau sei insgesamt hoch gewesen, betonte er. „Dieser Wettbewerb ist Leistungsschau, Standortbestimmung und Karrieresprungbrett in einem. Man erkennt deutlich, wie viel Potenzial und Professionalität im gastronomischen Nachwuchs steckt.“ Für die Erstplatzierten geht der Weg weiter zu den Deutschen Jugendmeisterschaften im Oktober, wo sie in Mainz das Saarland vertreten werden. Am Ende des Tages leerte sich der Saal und die Gespräche klangen aus. Doch etwas blieb spürbar: Zwischen Warenkorb und Weinkarte, Stressgespräch und Galadinner wurde klar, wie lebendig und zukunftsfähig die Gastfreundschaft im Saarland ist.