Der gesichtslose Smiley

Muster ohne Wert: Warum der Gastro-TÜV sein Ziel verfehlt


Saarbrücken. „Punkt, Punkt, Komma, Strich – fertig ist das Lachgesicht”. So soll das Smiley-Symbol aussehen, das die SPD-Landtagsfraktion bei ihrem Gastro-TÜV fordert. Nach dänischem Vorbild sollen die Prüf-Ergebnisse der Lebensmittelkontrollen mit einem Smiley-Aufkleber an der Eingangstür von saarländischen Gaststätten öffentlich gemacht werden. Allerdings erfolgt die Veröffentlichung freiwillig und auch die Kontrollen sollen im Vorfeld von den Gastronomen beantragt werden. In diesem als Initiative zum Verbraucherschutz dekla-rierten Vorhaben soll der Kunde diejenigen Gaststätten per Smiley-Aushang erkennen, die sich an die Hygiene-Vorschriften halten. Grundsätzlich sei gesagt: Eine Auszeichnung dafür, dass sich der gastgewerbliche Unternehmer an die gesetzlichen Vorschriften hält und die ihm obliegenden Pflichten erfüllt, ist widersinnig. Es bekommt auch kein Unternehmen ein Siegel dafür, dass es ehrlich seine Steuern zahlt. Was selbstverständlich ist – soll es auch bleiben! „Wir sind eindeutig für Transparenz und wir unterstützen ganz klar den Verbraucherschutz – schließlich nützt er dem höchsten Gut, das wir kennen: Unseren Gästen! Jedoch ist dieser Weg definitiv der falsche. Er sorgt für genau das Gegenteil“, erklärt Gudrun Pink, die Präsi-dentin des Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA Saarland e.V.

Mit dem Smiley wird eine ganze Branche unter Generalverdacht gestellt, indem suggeriert wird, nur wer den Aufkleber an seiner Tür hat, ist auch sauber. Dabei erbringt die Schmutz-Plakette keine Transparenz. Sie ist kein Gütesiegel, da sich ihre Botschaft ausschließlich auf eine Momentaufnahme stützt. Ein Gastro-TÜV, der auf besonders hygienische beziehungs-weise besonders mangelhafte Restaurants aufmerksam macht, wird den Erwartungen nicht gerecht und gaukelt dem Verbraucher Sicherheit vor. Klaus Müller, der Vorstand der Ver-braucherzentralen von Nordrhein-Westfalen, bringt es in einer Pressemitteilung auf den Punkt: „In Gaststätten mit Smiley-Siegel kann man zwar beruhigt speisen, doch der Umkehr-schluss funktioniert nicht. Wo die Plakette mit dem Lächeln für die Hygiene fehlt, können Verbraucher derzeit nicht erkennen, ob der Betrieb aufgrund schlechter Untersuchungser-gebnisse kein Siegel bekommen hat, noch nicht kontrolliert wurde oder die Ergebnisse ein-fach nicht bekannt geben will.”


Forciert wird diese Argumentation vor allem von der Tatsache, dass für die Kontrollen viel zu wenig Personal vorhanden ist. Daher warnt Gudrun Pink vor einer Stigmatisierung der Gast-stätten: „Da man nicht alle Betriebe gleichzeitig überprüfen kann, erhalten manche die Pla-ketten später. Und wenn ein Gastronom schon früher seinen Smiley hat als ein anderer, ist er klar im Vorteil.“ Diese Aussage unterstreicht auch Harry Sauer, der Vorsitzender des Ver-bandes der Lebensmittelkontrolleure im Saarland: „Die Zahl der Lebensmittel-kontrolleurinnen und -kontrolleure im Saarland – wie auch in anderen Bundesländern – reicht bei Weitem nicht aus, um zeitnah die entsprechenden Kontrollen beziehungsweise


Nachkontrollen im Sinne des dänischen Smiley-Systems durchführen zu können. Dies führt unweigerlich auch zu einer Wettbewerbsverzerrung innerhalb der Gastronomie.“ Und der stellvertretende Bundesvorsitzende des Verbandes der Lebensmittelkontrolleure ergänzt: „Ein System mit einer Kontrolle auf Zuruf widerspricht logischerweise auch den geltenden Gesetzen, wonach die Prüfungen unangekündigt erfolgen müssen. Ansonsten könnten sich selbst Schmuddel-Gaststätten auf die Inspektion vorbereiten, ihren Laden auf Hochglanz bringen und die Sinnhaftigkeit dieser Überprüfung würde ad absurdum geführt. Die Aussa-gekraft solcher angekündigter Kontrollen ist gleich Null.“

Festzuhalten bleibt auch – die saarländischen Gastronomen haben kein Sauberkeits-problem. Das belegen nachhaltig die Zahlen: Zurzeit sind 12.981 kontrollpflichtige Lebensmittelbetriebe registriert. Im vergangenen Jahr führten die rund 40 Lebensmittel-kontrolleure im Saarland insgesamt 1.471 Kontrollen in Speise-Gaststätten durch. Hierbei erfolgten zehn vorübergehende Betriebsschließungen wegen Hygienemängeln. „Das sind definitiv zehn zuviel – aber im Verhältnis zu den kontrollierten Gaststätten bewegen wir uns da bei 0,6 Pro-zent. Dabei ist zu beachten, dass nicht nur ausschließlich Sauberkeits-Mängel in die Bean-standung einfließen“, betont die DEHOGA-Präsidentin.

Klar ist: Schwarze Schafe müssen vom Markt verschwinden. Jedoch gibt es schon einige ausreichende rechtliche Instrumentarien, die Abweichler auf Linie trimmen – bis hin zur Be-triebsschließung. Außerdem veröffentlicht die saarländische Landesregierung bereits seit September 2009 stark auffällig gewordene Betriebe im Internet. Aber hier ist ebenso Vorsicht geboten! Angesichts der Tragweite der öffentlich gemachten Kontrollergebnisse im Internet muss sichergestellt sein, dass betroffene Gastronomen die Möglichkeit bekommen, festge-stellte Mängel kurzfristig zu beseitigen und den Anspruch auf eine zeitnahe erneute Kontrolle haben, um so einer Veröffentlichung in der Negativliste entgegenwirken zu können. „Es kann nicht angehen, dass Betriebe, die unverzüglich die Mängel beseitigen, aufgrund fehlenden Kontrollpersonals monatelang auf dieser Negativliste und somit öffentlich am Pranger ste-hen“, macht Gudrun Pink deutlich.

Die Gaststätten, die wiederholt und konsequent gegen die gesetzlich geltenden Hygiene-Vorschriften verstoßen, kann und will der Verband nicht verteidigen. „Denn diese schädigen nicht nur sich selbst, sondern das Image der gesamten Branche“, so Pink. Der DEHOGA sagt seit jeher Ja zur guten Hygienepraxis und bietet seinen Gastwirten auf vielfältigste Weise wertvolle Hilfe an: „Mit praxisgerechten Broschüren, in Seminaren und Beratungs-gesprächen sowie über Artikel im Internet unterstützen wir unsere Mitglieder bei allen Fragen rund um die Hygiene im Betrieb“, sagt Pink. Ein weiterer wichtiger Baustein ist der von dem DEHOGA veranstaltete Hygiene-Tag, an dem in diesem Jahr über 70 Gastronomen teilnahmen. Der zweite Hygiene-Tag dieses Jahres ist in Vorbereitung und findet im Herbst statt.

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